Goldene Klänge – goldene Ringe: Wenn Rockstars Eheringe schmieden

Die Geschichte von Eheringen geht weit zurück: Schon im alten Ägypten wurden Trauringe als Zeichen der Verbundenheit  zweier Menschen getragen. Und obwohl Julenas beste Freundin und deren Verlobter darum bemüht waren, ihre Hochzeit so  zu gestalten, wie es sich für sie richtig anfühlte - was   automatisch zum zumindest partiellen Bruch von Konvention  und Tradition führte:                                      Frau muss ja nicht alles, was normalerweise gemacht wird,  negieren und so waren auch für die beiden Eheringe fix ein-geplant, auch wenn diese nicht 'normal' aussehen sollten. 
Nun kann Julena zwar keine Ringe basteln, aber wie es der  Zufall will, hat sie einen alten Freund, der hier kreativ  'aushelfen' konnte: Sie schickte das Brautpaar zu ihm! Und weil er nicht nur ein wahnsinnig talentierter Goldschmied, sondern auch ein sehr netter, wie auch skurriler Amicus    ist, der gerne schreibt, gibt es heute einen Gastbeitrag   von ihm. Er wird euch ein bisschen von der Freundschaft    zwischen ihm und Julena erzählen, aber vor allem geht es   darum, was es bedeutet, Eheringe für jemanden herzustellen und wie er es angestellt hat. Bühne frei für Walter White  (ja, das ist das Pseudonym, um das er gebeten hat).

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Ja Leute, am Anfang sei gesagt, Julena und ich haben gemeinsam in einer Rockband gespielt. Das war so um 2007. Und eigentlich bewarb sie ihren Gesang und ihr Spiel am Klavier (am Klavier habe ich von ihr bis heute keinen Ton gehört – nur nebenbei erwähnt). Tja, und so könnt ihr euch schon denken, dass ICH hauptberuflich Rockstar bin und meinen Nebenerwerb als Goldschmiedemeister fröne – so hobbymäßig…

Also hatte ich die Ehre die Eheringe für Julenas beste Freundin und deren Angetrauten zu realisieren. Ich bekam also die Grundidee mittels Foto zugetragen und ganz ehrlich -sie wollten eindeutig keine Spießer sein. Also nichts normales, nein, nach einer Replik einer Ausgrabung – möglicherweise keltisch oder so irgendwas. Der ‚akademische‘ Ansatz der Braut, der mir den Auftrag echt erleichterte, lautete: „… sie solln richtg alt, also richtig ‚obgfackt‘ ausschaun“. Alles klar Mädl, moch ma!

Es gibt viele Arten von ‚Wichsereien‘ – ihr wisst was ich meine (?), aber meine spezielle ist, dass ich nur Eheringe ohne ‚Naht‘ mache, also keinen Metallstreifen verwende, den man rund biegt und dann eben die beiden Enden einfach zulötet. Das wäre doch uncool, oder? Ein Ehering muss aus einem ‚Guss‘ sein, symbolisch ist er zwar ‚endlich‘ – wie das Universum – aber doch auch ‚unendlich‘- ohne Schwachstelle (Lötstelle). Scheiß romantisch, was?

Die angehenden Eheleute haben es mir auch richtig ‚leicht gemacht‘: Die Ringe sind völlig verschieden und es brauchte nur wenige Stunden (!), bis die zwei eine ‚endgültige‘ Entscheidung über das ‚endgültige‘ Design fällten. Ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich manchmal mit den Gedanken woanders verharrte – falls wer von euch den Film ‚Falsches Spiel mit Roger Rabbit‘ gesehen hat: Also die Jessica Rabbit (Tipp: googeln) – wow, der Hammer! … aber schließlich ist man ja Profi und für seine besonderen Kunden in selbstloser, hingebungsvoller Weise da!

Also, der Ring der Braut: Stellt euch vor, ihr habt einen Holzwürfel zur Hand. Aus diesem sollt ihr eine Figur herausschnitzen. Der Goldschmied verwendet hierfür ein spezielles „Feinwachs“. Es ist beim Feilen und Fräsen spanabhebend und verklebt das Werkzeug nicht. Die Figur ist in diesem Fall eben der Ring mit entsprechender Ringweite.

Des Bräutigam’s Ring: Leider sind da im Design ein paar heikle Details dabei, die man nicht perfekt in Wachs modellieren kann, also muss ein gleicher Ring in Metall – oder in Silber – gebastelt werden, um diese speziellen Details mittels Lötungen mit der Ringschiene verbinden zu können (immer diese Extrawürste!).
Um aber aus dem Herrenring ebenfalls ein Wachsmodell zu bekommen (ich will keine Lötstellen auf den Goldringen, klar?!), muss ich den Modellring mit Silikon umhüllen und trocknen lassen, um dann das Silikon vorsichtig auseinander zu schneiden, um dann den Modellring zu entfernen (uff!). Es bleiben zwei Silikonhälften übrig, die man dann wieder genau zusammenfügt. Danach macht man das Feilwachs warm, also flüssig, und füllt es in die Silikonform. Das Wachs wird kalt und siehe da: Ich habe einen Wachsring – gleich dem Modellring, genial oder?

Ihr denkt schon die ganze Zeit darüber nach, wozu der Typ die Ringe ausgerechnet in Wachs braucht? Hier die Lösung: Die beiden Wachsringe werden vorsichtig in einen kleinen Stahlzylinder mit einer gipsähnlichen Masse eingebettet. Das ganze wird dann stark erhitzt und das Wachs fließt rückstandsfrei aus dem Zylinder heraus. Was übrigbleibt ist die hohle Ausnehmung der Ringformen in der Einbettmasse.

Ok, man ist Rockstar, Goldschmied, Physiker, aber jetzt kommt der Alchimistenteil der ganzen Geschichte: Das Edelmetall soll 14 Karat fein sein, mit etwas mehr ‚Rotanteil‘ in der Farbe. Das bedeutet, 1 Gramm der Ringe besteht aus 0,585 Gramm Feingold und der Rest aus Feinsilber und chemisch reinem Kupfer – im Verhältnis 1:2. Dazu noch etwas Magie (abra katabra…) und eine neue Legierung, mit neuen Eigenschaften wie  Farbe, Härte und Stabilität, ist ‚geboren‘. Das Metallgemisch wird dann bei knapp 1000 Grad geschmolzen und dann mit Superdruck in den Stahlzylinder ‚reingeschossen‘. Ergebnis: Die beiden Ringe sind aus Edelmetall – ohne Lötstellen – und der Rest ist noch etwas Feinarbeit. Ich war erfreut und musste der Braut auch gleich ein paar Fotos mailen.

Doch es sollen hier auch die dunklen Seiten der Medaille erwähnt werden.
Punkt 1: Fotos übermitteln oft einen verzerrten Eindruck und so ein ’sensibles‘ Gemüt, wie sich jenes der Braut zeigte, maulte gleich: „Is der ned‘ zu wuchtig?“ (‚Spielt‘ sie etwa auch Klavier und hat Angst der Ring behindere sie bei ihrem virtuosen Spiel?).
Punkt 2: Der Bräutigam machte zwischendurch einen Trip zum Nordkap (ist kein Eisbecher vom Tichy!). Ich dachte: „Jö, da bringt er mir sicher ein Mitbringsel mit!“, da ich ja immerhin seinen Trauring anfertige—njet! Nicht einmal eine Glaskugel mit scheiß Schneeflocken, gefüllt mit Wasser und Nordkap war dabei! Welch ein Tiefschlag ins künstlerische Gemächt: Mann, ’nehmen ist seliger denn geben‘ – du alter Dagobert Duck!

Profi Tipp: In solchen Situationen folgt folgendes Szenario: 15 Minuten Meditation, beim Ausatmen ‚OOHHM‘ summen, danach ein Achterl Blaufränkischen und zur Abrundung 2cl Jack Daniels (mein bester Freund!). Alles wieder easy – echt!

Im Ernst: Es war ein cooler Auftrag! Die Ringe besitzen ‚Seele‘ und sind keine maschinell runter gefrästen Standards. Wir sind eben keine digitalen Lebewesen!

… was, ihr wusstet nicht, dass Julena auch einmal ein Rockstar (!) war? Falls ihr die schmutzigen Details wissen wollt – gegen eine kleine Aufwandsentschädigung.. (hüstl!).

Tja Freunde, ich hab‘ jetzt eine Verabredung mit Jack, beim Wirten ums Eck‘, und dann einen Auftritt mit Band……….also dann………

Walter

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Und das sind sie, die schönen Stücke:
 Eheringe, goldene Ringe, Rotgold, GoldringeDie Gravur bleibt übrigens das süße Geheimnis des Braut-,  nein was sag ich?, des Ehe-Paares ;-).
 

 

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7 Antworten auf “Goldene Klänge – goldene Ringe: Wenn Rockstars Eheringe schmieden”

    1. liebe matea,liebe vera,
      vielen dank!
      ich hab soeben auch in euren blog reingeschaut 🙂 und ich finde es wirklich schön, dass ihr so eine enge Freundschaft zueinander habt – erinnert mich sehr an meine beste Freundin mit 15 – habt viel Spaß beim Moped fahren, passt so gut es euch möglich ist auf euch auf 😉 und genießt die Zeit, es ist eine besondere – versprochen :-)!
      wenn ihr lust und Interesse habt, würd ich mich freuen, meinen blog bei euch vorstellen du dürfen. wenn das für euch passt, meldet euch doch einfach bei mir.
      in diesem sinne: alles liebe
      julena

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  1. Gratulation zu diesem amüsanten Beitrag und Kompliment an Walter White nicht nur für die wirklich tollen und einzigartigen Ringe, sondern auch für den kleinen literarischen Hochgenuss – hat mir gut gefallen!! Herzl.Grüße * Christa

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